Künsebeck - Das Dorf hinterm Deich
Künsebeck - Das Dorf hinterm Deich

#WeRemember

Gepostet in IGKB, Pfarrbezirk von Freddy am 28. Januar 2021

Mit einer kleinen Bürste entfernt Silke Fronemann Erde und Schnee aus der Gravur. So langsam wird die Inschrift des 96 mal 96 Millimeter großen Steinquaders sichtbar. Die Messingtafel im Boden erinnert an Christian Schalk, der 1940 von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Aus tiefer christlicher Überzeugung verweigerte der Küpnsebecker Christian Schalk (1906 – 1940) den Hitlergruß und den Dienst an der Waffe.Schalk, der im Kalkwerk arbeitete, gehörte den Zeugen Jehovas an und folgte den zehn Geboten und somit auch dem Grundsatz „Du sollst nicht töten“. Im Auftrag der Gestapo Bielefeld wurde der junge Mann ab 1938 von den Haller Behörden überwacht. Der Haller Amtsbürgermeister Eduard Meyer zu Hoberge musste regelmäßig Bericht erstatten. In einem seiner Schreiben schlug dieser, statt der drohenden Deportation „ins Lager“, eine „Bewährung durch Wehrerziehung“ vor. Er hätte wissen müssen, dass Christian Schalk auch der Wehrerziehung – ebenfalls ein Dienst an der Waffe – nicht folgen würde. Daraufhin wurde Schalk im April 1940 inhaftiert und am 12. Juli 1940 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet.

Im vergangenen Jahr wurde der Stolperstein auf Initiative der Interessengemeinschaft Künsebecker bürger (IGKB) von Künstler Gunter Demnig an der Stelle, an der vor rund 80 Jahren das Wohnhaus von Christian Schalk gestanden hat, verlegt. Anlässlich des Gedenktagsder Opfer des Holocausts trafen sich Silke Fronemann vom Vorstand der IGKB und Pfarrerin Karin Hanke zur Säuberung des steins und sprachen dort gemeinsam ein Gebet.Neben dem Gedanken an die Opfer der Vergangenheit thematisierte Karin Hanke dabei auch die heutige Situation: „Hilf uns, wachsam zu sein und denen zu wehren, die auch heute immerwieder anfangen, Menschen wegen ihrer Religion, Nationalität oder Rasse auszugrenzen und zu verfolgen“.

Mit der Niederlegung von einem Strauß Rosen, den Unbekannte leider bereits zwei Stunden später entwendet haben, endete die kleine Zeremonie.„Die Steine sollen erinnern und wachrütteln und dürfen nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden, selbst wenn dieses Erinnern aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht im großen Stile erfolgen kann“, sagt Silke Fronemann.