22
22
22
22
previous arrow
next arrow

Von Mutter Änne zu Tante Enso

Gepostet in IGKB von Freddy am 17. September 2022 Tags:

Einkaufen in Künsebeck – gestern und heute

 

Halle-Künsebeck. Künsebeck will einen Supermarkt – das hat sich in den letzten Wochen deutlich gezeigt. Schon zur Bürgerversammlung, die eigentlich der Start für eine Kampagne ist, hatte das Dorf die nötigen 400 Teilhaber für die Supermarkt-Genossenschaft „My Enso“ zusammen. Geschäftsführer Thorsten Bausch konnte deshalb direkt verkünden: „Wir kommen nach Künsebeck!“ Und weil auch der CEO vom Engagement und Enthusiasmus der Künsebecker rund um die federführende Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) begeistert war, legte er noch einen drauf: Sollte Künsebeck 500 Teilhaber zusammen bekommen bis zum Kampagnenende am 25. September, sponsort MyEnso mit 5000 Euro ein selbst gewähltes Projekt im Dorf, bei 600 Teilhabern sogar mit 10.000 Euro. Nach aktuellem Stand sind es jetzt 527 Teilhaber, das erste Etappenziel ist geschafft. „Jetzt sind wir angespornt und wollen auch das Ziel der 600 erreichen, dafür brauchen wir noch mehr Menschen aus Künsebeck und der näheren Umgebung, die für 100 Euro einen Anteil erwerben“, sagt IGKB-Vorsitzende Friederike Hegemann.

Lange hat Künsebeck diese Supermarkt-Idee verfolgt, denn aus alten Zeiten wissen viele Bewohner noch, wie gut ein Vollsortimenter für ihre Nahversorgung ist. Marianne Marten vom Landhotel Jäckel muss dafür nicht extra in alten Familienalben blättern, sie ist quasi einst im Künsebecker Lebensmittelladen aufgewachsen. Bei ihrer Mutter Änne Jäckel saß sie schon als kleines Mädchen mit hinter der Ladentheke. 1899 war es der Kleinhändler Heinrich Jäckel, der es leid war, mit der Kiepe auf dem Rücken übers Land zu ziehen. Im selben Jahr eröffnete er die Schankwirtschaft „Zum goldenen Stern“, aus der das heutige Landhotel Jäckel erwuchs. Sein gleichnamiger Sohn, der bei Pade in Halle eine Ausbildung zum Konditor und Bäcker gemacht hatte, übernahm das Geschäft und schloss später einen Lebensmittelladen an. 1959 übernahm dessen Sohn Helmut die Geschäfte, nach dessen Tod seine Witwe Änne Jäckel und die Kinder Heinz Helmut und Marianne Marten, geborene Jäckel.

80 Jahre lang gab es das Lebensmittelgeschäft Jäckel, ganze Generationen von Künsebeckern kauften dort ein. „Wir hatten viele Stammkunden, man kannte fast jeden, der kam beim Namen und viele ließen Anschreiben, wenn die Lohntüte leer wurde“, erinnert sich Marianne Marten. Ihr Vater hatte auch einen Verkaufswagen, mit dem er in die entlegenen Ecken des Dorfes auf die einzelnen Höfe fuhr. „Wenn ich aus dem Kindergarten kam, hatte er den Wagen meist schon gepackt und dann musste ich mit“, erinnert sich die Landhotel-Seniorchefin lächelnd. Als Kind hat sie selbst vor allem die Kirschlollis im Geschäft geliebt, das von Waschmittel über Konserven bis hin zu selbstgebackenem Kuchen alles für den täglichen Bedarf anbot. Aufgrund des steigenden Konkurrenzdrucks und dem Trend zur Konsumangebotsdichte entschied sich die Familie 1980 zur Aufgabe des Lebensmittelgeschäfts und zur Fokussierung und den Ausbau der Gastronomie. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, Künsebeck ist gewachsen, es gibt mehr Einwohner und mehr Kaufkraft. Auch für Marianne Marten und ihre Familie, die selbst Anteile an der MyEnso Genossenschaft erworben haben, ist deshalb klar: Künsebeck braucht endlich wieder einen Supermarkt.

Wer noch Anteile erwerben, möchte kann dies entweder online unter  www.kuenske.de/supermarkt/ oder am 17.09. ab 13 Uhr beim Künsebecker Sommerfest auf dem Ringofen oder am Dienstag, den 20. oder Donnerstag, den 22.Septmeber jeweils von 17 bis 19 Uhr im Gemeindehaus, Teutoburgerstr. 20, gegen Barzahlung bei der IGKB tun.