Künsebeck - Das Dorf hinterm Deich
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Kultursommer Künsebeck 2022 (pac)
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Millionen Jahre Künsker Geschichte

Gepostet in IGKB von Freddy am 09. Februar 2022

Quelle: WESTFALEN BLATT / Klaus Peter Schillig Kann man sich eigentlich darüber freuen, wenn einem Steine in den Weg gelegt werden? Künsebecker können das, denn Steine haben in der Geschichte des Dorfes eine große Rolle gespielt. Und darum haben sie sich ein paar dicke Brocken mitten in den Ort geholt und mit den vorhandenen Relikten der langen (Erd-)Geschichte bis in die Neuzeit einen Geopfad geschaffen. Der wird am 15. Februar von Bürgermeister Thomas Tappe eröffnet und soll ab März auch in Gruppen Gelegenheit bieten, sich mit Künsebecks steiniger Vergangenheit zu beschäftigen.

Die Idee zu einem geologischen Pfad hat ein Haller aus dem Urlaub mitgebracht und ist so bei der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) gelandet. Vorsitzende Friederike „Freddy“ Hegemann und ihr Team fackelten nicht lange, buddelten Fördermöglichkeiten aus, machten eigens Geld locker und setzten die Idee mit ganz viel ehrenamtlichem Einsatz vieler Künsebecker in die Tat um. Insgesamt 8500 Euro hat es schließlich gekostet, zu 80 Prozent bezuschusst aus Mitteln des Bundes, des Landes NRW und vor allem von der beim Kreis Gütersloh angesiedelten „Lokalen Aktions-Gruppe (LAG) GT 8“. Letztere hat sich zum Ziel gesetzt, die Vital-Region GT 8 – Mitglieder sind die Städte Borgholzhausen, Gütersloh mit seinen nördlichen Stadtteilen, Halle, Harsewinkel, Rietberg, Versmold und Werther – als Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum zu stärken.

„Eigentlich ist es gar kein richtiger Pfad, den man entlang spazieren kann,“ stellt „Freddy“ Hegemann richtig. Die Stationen sind nämlich über den ganzen Ort verteilt und können quasi auch „kreuz und quer“ erkundet werden. Steine spielen dabei natürlich eine Hauptrolle, denn bevor bekannte Industrie-Unternehmen ihren Weg nach Künsebeck gefunden haben, bestimmten Steine das Bild des Dorfes. Im Teutoburger Wald gab es mehrere Steinbrüche und im Ort dazu drei Kalkwerke – Steinfurt, Windmüller und Köppen. Einen Betrieb gibt es noch heute, der heißt inzwischen Müller und hat die IGKB bei ihrem Vorhaben unterstützt. Denn das Unternehmen baut nicht nur Kalkstein ab und verarbeitet ihn, sondern handelt auch mit Steinen. Auch mit solchen, die die Erdgeschichte vor rund 100 Millionen Jahren im Zuge der „Osning-Verwerfung“, durch Erdbeben und Auffaltung des Gebirgszuges, an die Oberfläche gebracht hat.

Im Internet unter www.kuenske.de ist bereits eine interaktive Karte eingestellt, auf der man die verschiedenen Stationen des Geopfades anklicken kann. Die drei Kalkwerke werden unter anderem symbolisiert durch die drei Loren hinter der Lok-Silhouette auf dem Kreisel im Ravenna-Park, direkt im Bereich eines früheren Ringofens (Ecke Teich- und Hauptstraße) ist ein dicker Brocken aus Muschelkalk zu sehen, ein weiterer Trümmer Karbonquarzit liegt unten an der Breiten Straße und stammt vom Piesberg bei Osnabrück. „Zugewandert“ in die Region ist der dicke Granit-Brocken vor der Schule. Er stammt aus Mittweida in Sachsen. Nahe der Straße Ravenna-Park findet sich der Ibbenbürener Sandstein, der in vielen Häusern in Westfalen mindestens im Sockel verarbeitet ist, in der näheren Umgebung aber schon lange nicht mehr abgebaut wird. Der Gneis-Brocken an der Sperberstraße, unweit übrigens vom ehemaligen Standort der Villa Köppen, vervollständigt den neuen Teil der steinigen Ausstellung.

Schon länger heimisch und zu sehen liegt an der Ecke Dürkopp- und Teutoburger Straße der große Jütland-Findling, von der letzten Eiszeit aus dem Norden bis nach Künsebeck transportiert. Er gilt inzwischen als „geologisch-historisch integriert“. Ganz am oberen Rand der Karte, die analog und ebenso kunstvoll wie übersichtlich auch neben dem Kalkbrocken auf dem Ringofenplatz steht, wird auf die erste Besiedlung Künsebecks hingewiesen – auf den Standort des Künsebecker Langhauses nahe der früheren Sandgrube an der Brackweder Straße, dessen Rekonstruktion bekanntlich im Freilichtmuseum Oerlinghausen besichtigt werden kann.

Was auf der Internetseite durch einfache Klicks mit dem Zeigefinger erkundet werden kann, war für die Künsebecker ganz schön harte Arbeit. Die Gesteinsbrocken waren mit Muskelkraft kaum, meist aber gar nicht zu bewegen, wie Hartmut Pohl, der Vorsitzende des TV Deutsche Eiche, und „Freddy“ Hegemann feststellen mussten. Zum Glück nahten Helfer mit Traktoren und Frontlader, um die Ausstellungsstücke in Position zu bringen. Hartmut Pohl hat zudem viele Stunden ehrenamtlich investiert, um die digital so einfach zu erreichenden Informationen auch analog lesbar zu machen. An jeder Station stehen deshalb jetzt stabile selbst gebaute Stelen mit Infos und QR-Code fürs Smartphone.

„Im März gibt es die ersten Führungen“, kündigt „Freddy“ Hegemann an, für das Frühjahr hat sich auch schon der Kindergarten Hochstraße vormerken lassen. Und weitere Stationen sind schon in Vorbereitung: die „Pickelstation“ zum Steineklopfen auf dem früheren Müllberg und das „gläserne Kalkwerk“.