Werbung nur auf Wunsch

Gepostet in Allgemein von Freddy am 04. Februar 2020

Von Veronika Karpf

Obwohl die absolute Mehrheit der Bevölkerung Werbepost im Briefkasten ablehnt, werden jährlich 1,2 Milliarden Kilo davon verteilt. Das ist eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen und eine große Belästigung von BürgerInnen. Deshalb fordern wir, dass nicht adressierte, unverlangte Werbung nur noch in Briefkästen mit „Ich möchte Werbung“-Aufkleber eingeworfen werden darf.

In Amsterdam wurde dieses Opt-In System bereits vor zwei Jahren erfolgreich eingeführt. Es werden jährlich ca. 700 Müllabfuhren und 6 Millionen Kilo Papier eingespart. Weitere große niederländische Städte führen das System jetzt ebenfalls ein.

WERBUNG IM BRIEFKASTEN IST EINE IMMENSE BELASTUNG FÜR DIE UMWELT Laut einer neuen Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen landen jährlich 35 Kilo unverlangte Werbepost im Briefkasten. Wenn man die adressierte Werbung, die sich auf durchschnittlich 14 Kilo pro Haushalt beläuft, hinzufügt, werden in Deutschland fast zwei Milliarden Kilo Werbepost verteilt. Jedes Jahr.

Laut repräsentativer You-Gov Umfrage erhalten nur 17% der Bevölkerung gerne nichtadressierte Werbepost aber nur 26,7% verweigert sie bisher per „Bitte keine Werbung“- Aufkleber (Deutsche Post).

Das bedeutet, dass 22,55 Millionen Haushalte Werbepost erhalten, obwohl sie das eigentlich nicht möchten. In anderen Worten: 789.000 Tonnen Werbemüll werden jährlich völlig umsonst verteilt.

Ressourcen Holz & Papier

Für die Produktion der Papierwerbung eines einzigen Haushalts werden 54 Kilo Holz benötigt. In der insgesamt jährlich verteilten Menge an nicht adressierter Werbepost steckt das Holz von etwa 1,8 Millionen Bäumen. Wenn man bedenkt, dass eine der größten Ursachen für die Abholzung von Wäldern die Papierproduktion ist, ist es schockierend, wie sorglos mit dem Rohstoff umgegangen wird. Zumal der pro-Kopf Verbrauch von Papier mit 241,7 Kilo in Deutschland so hoch wie in keinem anderen Industrie- und Schwellenland der G 20 ist.

Wenn wir es schaffen, ungewollte Werbepost abzuschaffen, können wir das gesamte private Papierabfallaufkommen um fast 14% verringern (berechnet anhand Zahlen des Statistischen Bundesamtes)!

Energieverbrauch

Papier ist ein Stoff, dessen Herstellung sehr energie- und wasserintensiv ist. Nicht zu unrecht gehört die Papierproduktion zu den fünf energieintensivsten Branchen Deutschlands – neben Industrien wie Stahl, Chemie und die Produktion von Baustoffen. Mit der Menge Energie, die für die Produktion von 35 Kilo Papierwerbung benötigt wird, könnte eine 60 Watt Glühbirne etwas über 112 Tage betrieben werden.

Wasserverbrauch

Für die nicht adressierte Werbung eines einzigen Haushaltes werden ca. 1.400 Liter Wasser benötigt. Für die nicht adressierte Werbung von allen 33,5 Millionen Haushalten sind es fast 47 Milliarden Liter im Jahr. Für die Produktion von Werbung insgesamt (adressierter und nicht adressierter Werbung) wird eine Wassermenge von 27.600 Schwimmbädern (Olympische Maße) benötigt. Dazu kommt eine hohe Abwasserbelastung, die im Produktionsprozess von Papier entsteht.

Müllproblem

Unser Vorbild Amsterdam hat durch die Umkehr des “Keine Werbung” Systems nach Berechnungen der Stadtverwaltung 650-750 Fahrten der kommunalen Müllabfuhr eingespart. In ganz Deutschland liegt das Potential bei ca. 65.500 Müllabfuhren mit einem Fassungsvermögen von 12 Tonnen.

Plastikmüll

Abgesehen von Papier landet auch jede Menge Plastik im Briefkasten. Es sei nötig, die Werbung zu verpacken, damit sie „frei von Nässe und Schmutz“ ankommt. So argumentiert zumindest die Deutsche Post, die ihr in Plastik verpacktes Reklamebündel Einkauf Aktuell wöchentlich in bis zu 20,7 Millionen Briefkästen einwirft. Das sind jedes Jahr etwa eine Milliarde Plastiktüten, die zumeist mit dem Altpapier, und damit nicht sortenrein, entsorgt werden.

DER PROTEST WIRD IMMER LAUTER

2014 hat eine Petition gegen die Plastikverpackung von Einkauf Aktuell auf change.org 191.000 Unterschriften erzielt. Über die Kampagne „Stoppt die Plastikpost“, haben sich 72.000 deutsche Haushalte von Einkauf Aktuell abgemeldet. Die Deutsche Post will den Willen dieser Bürger*innen jedoch nicht akzeptieren und verteilt die Plastikpost weiterhin. Im Oktober wurden mehrere Klagen gegen die Deutsche Post eingereicht, mit dem Ziel, ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs darüber zu erwirken, dass nicht adressierte Werbung auch schriftlich abbestellt werden kann.

DAS AKTIONSBÜNDNIS

Die Forderung wird von zahlreichen Umweltschutz- und Verbraucherorganisationen getragen. Darunter das Cleanup Network aus Stuttgart, der Zero Waste e.V., Together for Future, Küste gegen Plastik e.V. und vielen anderen. Der Berliner Verein Letzte Werbung e.V., setzt sich ehrenamtlich und unabhängig dafür ein, eine der größten Verschwendungen von Ressourcen in Deutschland abzuschafen: Ungewollte Werbung im Briefkasten.