Stolperstein für Schalk

Gepostet in Allgemein, IGKB von Freddy am 22. Januar 2020 Tags:

Quelle: Haller Kreisblatt / www.haller-kreisblatt.de

Knapp einJahr, nachdem Gunter Demnig die ersten elf Stolpersteine an der Langen Straße verlegt hat, kommt der im hessischen Alsfeld lebende Künstler am kommenden Montag erneut nach Halle. An der Hauptstraße in Künsebeck wird er in Erinnerung an Christian Schalk unweit der Bahnlinie eine quadratische und auf einem Betonklotz befestigte Messingtafel platzieren. Genau vor dem Haus, in dem Schalk bis zu seiner Deportation im April 1940 mit seiner Ehefrau Elisabeth gelebt hat.

Nazis ermordeten 1.000 Zeugen Jehovas

Schalk war kein Jude, sondern ein Zeuge Jehovas, von denen in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus etwa 1.000 ermordet wurden. Somit wird ihm nach Mitgliedern der Familien Herzberg, Weinberg, Isenberg, Sachs und Jacobs als erster Nichtjude in Halle diese Ehre zuteil. Schließlich erinnern die kleinen Gedenktafeln, von denen es mittlerweile europaweit 75.000 gibt und die das weltweit größte dezentrale Mahnmal darstellen, generell an das Schicksal der Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die erste wurden 1992 aufgestellt.

Christian Schalk wurde am 11. Oktober 1906 im sauerländischen Beringhausen im Altkreis Brilon geboren und zog später nach Künsebeck. Dort arbeitete er als Steinträger im Kalkwerk und heiratete am 2. Oktober 1936 Elisabeth Schlau.

Christian Schalk gehörte den Zeugen Jehovas an und verweigerte aus tiefer christlicher Überzeugung sowohl den Hitlergruß als auch den Dienst an der Waffe. Daraufhin wurde er im April 1940 inhaftiert und nach Berlin-Plötzensee gebracht. Den Tod vor Augen schrieb Schalk Briefe an seine Ehefrau, die jedoch nie weitergeleitet wurden. Am 12. Juli 1940 wurde er in dem Strafgefängnis, in dem zwischen 1933 und 1945 2.891 Todesurteile vollstreckt wurden, durch das Fallbeil hingerichtet.

Kurz zuvor war dem Ehepaar ein letztes Wiedersehen mehrmals verweigert worden. Schließlich aber gelang es Elisabeth Schalk nach etlichen Bemühungen doch noch, einen Besuchsschein zu erhalten. Sie reiste sofort nach Berlin und erhielt dort vom Reichskriegsgericht die Auskunft, dass ihr Mann zwei Tage zuvor hingerichtet worden sei.

Zudem erfuhr sie, dass es auch keinen Ort zum Trauern geben wird, da Christian Schalks Leichnam, natürlich ohne dessen Einverständnis, der Medizin zur Verfügung gestellt wurde. Lediglich der Abschiedsbrief ihres Mannes wurde ihr später zugestellt. Der Inhalt des berührenden Dokuments, das Christian Schalk einen Tag vor seiner Enthauptung verfasste, kann neben weiteren Infos auf der Internetseite des virtuellen Museums Haller ZeitRäume nachgelesen werden.

Der Brief endet mit den Worten: „Liebe Elisabeth, sei tapfer und bleibe fest. Du wusstest ja schon, wie mein Schicksal ausfiel, darum wird es dir nicht schwerfallen, darüber hinwegzukommen. (…)Ich will jetzt schließen in der Hoffnung, dass wir uns dermal einst in einer besseren Welt wieder sehen. Sei vielmals gegrüßt von deinem nur dich liebenden Christian. Viele Grüße an alle, Vater und Mutter.“