Landwirte und Bürger werden protestieren
Gepostet in Allgemein von am 22. Oktober 2016 Tags: Allgemeines, Ravenna-Park

Mächtige Eichen umgeben den alten Hof Burstädt an der Tatenhausener Straße. Mehr als 100 Jahre ist er bereits im Besitz der Familie, drei Generationen bewirtschafteten den Hof im Vollerwerb. Zuletzt gehörten rund 50 Hektar Land dazu. „40 davon lagen im heutigen Gebiet des Ravenna-Parks, die haben wir abgegeben“, berichtet Ernst-August Burstädt. „Die übrigen zehn haben wir verpachtet, ebenso den Schweinestall. Das Milchvieh wurde abgeschafft.“
Der ehemalige Landwirt holt tief Luft und schaut zu seiner Frau Annemarie. Die sitzt auch am Tisch, schaut aus dem Fenster und reibt sich nervös die Finger. „Wir haben schon viele schlaflose Nächte gehabt“, sagt sie dann. „Es ist die Angst, dass uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Das Land hier gehört doch zum Hof dazu. Ohne das hat doch auch der Hof keinen Wert mehr.“
Dabei sind die Burstädts, die mit Kindern und Enkelkindern auf dem Hof wohnen, nicht alleine mit ihren Sorgen und dem Wunsch, dass der Flächenverbrauch im Haller Osten jetzt gestoppt werden möge. Im Gegenteil. Die Zahl der Menschen, die so denken wie sie, wächst. Und sie alle werden Montagabend zu Jäckel kommen und der Verwaltung ihren Standpunkt erklären. „Wenn jemand seine Flächen verkaufen will, ist das in Ordnung“, springt ihm Burkhard Stüssel bei, „aber wenn man das noch nicht will, ist das doch zu respektieren!“
Stüssel ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Halle-Amshausen, der mit der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) zu der Versammlung eingeladen hat. Der Schulterschluss zwischen Bauern und Bürgern liegt nahe – „viele unserer Mitglieder haben enge Kontakte zur IGKB“, erklärt der Vorsitzende. Und sie alle eint die Sorge, dass von der vertrauten Heimat, von der durch Höfe geprägten Landschaft nichts mehr übrig bleibt.
„Wir werden uns die Pläne anhören und wir wollen die Menschen informieren“, kündigt Burkhard Stüssel mit Blick auf den kommenden Montag an. Darum sind ab 20 Uhr auch jene zum Landgasthof Jäckel eingeladen, die das weitere gewerbliche Wachstum entlang der Tatenhausener Straße forcieren wollen: Albrecht Pförtner, Wirtschaftsförderer des Kreises Gütersloh ebenso wie der mit dem Konzept für Halle beauftragte Planer Dirk Tischmann. Und auch Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann hat ihr Kommen zugesagt. Nach HK-Informationen stieß die Einladung in der Verwaltung zunächst nicht auf Begeisterung – jetzt will die Chefin aber doch persönlich Stellung beziehen.
Bürgermeisterin wird sich drängenden Fragen stellen müssen
Und sie wird sich mit drängenden Fragen konfrontiert sehen. „Hier sind Menschen, die ihre Höfe behalten und möglicherweise vererben wollen“, sagt Burkhard Stüssel. „Was passiert denn, wenn das hier alles Gewerbegebiet wird? Es kann doch nicht richtig sein, immer mehr Boden zu versiegeln. Nur weil es auf der grünen Wiese billiger und schneller geht.“
Der Ortsverbandsvorsitzende fährt oft durch den Ravenna-Park. „Da sehe ich eine leer stehende Halle von Hymmen und den riesigen Parkplatz vom Gerry-Weber-Outlet – und in diesem Moment fragt man sich schon, ob das alles so nötig ist.“ Gleichzeitig fürchteten sich die Flächenbesitzer der Region davor, dass ihnen ihr Land einfach genommen werde, wenn sie nicht verkaufen wollten.
Zu einer vermutlich emotionalen Debatte sind alle interessierten Bürger eingeladen.