Künsebeck - Das Dorf hinterm Deich
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Kultursommer Künsebeck 2022 (pac)
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Im Ravenna Park geht’s um die Wurst

Gepostet in Allgemein von am 19. Januar 2016 Tags: ,

wurst„Ich habe die ersten drei Monate hier gestanden und keiner ist gekommen. Jetzt läuft es, also bleib ich“, sagt der Mann, der sich dem HK als G. Irmak vorstellt. Mehr Buchstaben müsse niemand wissen, ergänzt der Inhaber der Imbissbetriebe Irmak aus Bielefeld. Viel mehr weiß auch die Stadt Halle nicht über den geheimnisvollen Gastronomen, der seine Pommesbude seit einem Jahr an der Einfahrt zum Gerry Weber Outlet geparkt hat. Allerdings hegt sie nun den Verdacht, dass der Bielefelder Bratwurstverkäufer sein rollendes Restaurant auf städtischem Grundstück geparkt hat.

 

„So etwas ist ja manchmal nicht ganz eindeutig feststellbar“, sagt Bauamtsleiter Jürgen Keil. Er selbst habe noch nicht vor Ort sein können und die Kollegin, die solche Fälle betreut, sei krankheitsbedingt längerfristig ausgefallen. „Nun ist sie wieder da und wir kümmern uns um die Sache. Sollte der Wagen auf städtischem Grund stehen, werden wir das unterbinden“, sagt Keil.

 

Irmak selbst gibt auf Nachfrage an, auf dem Gelände des Maschinenherstellers Hymmen zu stehen. Von dort habe er auch bis Mitte vergangener Woche einen Stromanschluss gehabt, mittlerweile wird das Fett in der Fritteuse mittels Gas zum Sprudeln gebracht. Auf Fragen zu Details dieser Vereinbarung, wie etwa Dauer oder Mietzahlungen, geht er nicht ein. Und auch der vermeintliche Vermieter kann kein Licht ins Dunkel bringen. „Von solch einem Imbisswagen habe ich noch nie etwas gehört“, sagt Hymmen-Marketingchefin Dr. Anke Pankoke. Und auch im Büro von Dr. Anja Commandeur, der Insolvenzverwalterin der derzeit in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Hymmen GmbH, ist ein derartiges Gewerbe auf dem Gelände ihres Mandanten gänzlich unbekannt.

 

Von gewerberechtlicher Seite her sei mit dem Imbiss alles in Ordnung, bestätigt André Thienemann vom Ordnungsamt der Stadt Halle. Die Firma habe eine gültige Reisegewerbekarte vorgelegt und auch die übrigen Unterlagen seien alle vollzählig. Wolfgang Finke, Lebensmittelkontrolleur beim Kreis Gütersloh, habe schon einmal vorbeigeschaut. „Er hatte nichts zu beanstanden, die hygienischen Voraussetzungen waren gegeben“, sagt Thienemann.

Aus der Notlösung wurde eine lukrative Dauerlösung

 

Dennoch macht sich Verwunderung im Ravenna Park breit, denn eigentlich war die mobile Frittenschmiede nur für den Zeitraum eingeplant, in dem Bauarbeiter auf dem Gelände wuselten und weit und breit keine Mittagsverpflegung greifbar war. Dementsprechend überrascht ist auch Ralf Kleinemas, Inhaber vom Grill- und Kaffeehaus neben dem Gerry Weber Outlet: „Wir haben Mitte November eröffnet und man hatte mir gesagt, der Imbisswagen würde Anfang Dezember verschwinden.“ Aus der Notlösung scheint eine Dauerlösung geworden zu sein, da der Stand gerade mit Blick auf die verbliebenen Bauarbeiter und die gerne direkt an der Umgehungsstraße parkenden Brummifahrer, die sich hier schnell Mantaplatte und Frikadelle einverleiben, bestens nachgefragt wird.

 

Kleinemas ärgert sich ein wenig über die Konkurrenz, weiß aber auch um die Vorzüge seines Lokals. „Ich habe hier viel Geld investiert, ausschließlich Handwerker aus der Region beschäftigt und sieben neue Arbeitsplätze geschaffen.“ Eigenschaften, die sein Konkurrent vermutlich nicht nachweisen könne.

 

Dafür fühlt sich Irmak, der einen seiner vier Imbisswagen regelmäßig beim samstäglichen Flohmarkt an der Universität Bielefeld platziert, im Ravenna Park mittlerweile richtig wohl. „Wir haben viele Stammkunden aus dem benachbarten Wohngebiet“, sagt Irmak. Nach seinem festen Standort auf dem Gerry Weber Gelände hatte er mehrfach den Platz gewechselt, sich möglicherweise mit einer Mischung aus selbsterkorenem Gewohnheitsrecht und leichter Schludrigkeit der Stadt, die, wie auch Keil zugibt, derzeit mit den Flüchtlingen ein ganz anderes und größeres Feld zu beackern habe, sein Geschäft gesichert.

 

Ob es auch zukünftig bei der Konkurrenz auf kleinstem Raum bleiben wird, muss nun die Stadt entscheiden. Irgendwann hat ja alles mal ein Ende. Bis auf die Wurst. Die hat bekanntlich zwei.