Fluch der ersten Zahlen

Gepostet in Allgemein, Feuerwehr von Freddy am 25. April 2015 Tags: , ,

»Fluch der ersten Zahl«

Geplantes Feuerwehrgerätehaus in Künsebeck wird mit 1,1 Millionen viel teurer als gedacht

Halle(WB). Das war eine unangenehme Überraschung: Das geplante Gerätehaus für den just neu gegründeten Feuerwehr-Löschzug Künsebeck wird viel teurer, als es sich die Haller Kommunalpolitiker gedacht hatten. 500 000 Euro standen vor fünf Jahren als »Platzhalter« in der Haushaltsplanung. Nun soll das Objekt 1,1 Millionen Euro kosten.

 

Von Stefan Küppers

 

Irgendwann im Laufe einer langen Debatte im Haupt- und Finanzausschuss prägte Silke Schäfer (SPD), selbst Architektin, den Begriff des Abends. Sie sprach vom »Fluch der ersten Zahl« und meinte damit durchaus selbstkritisch in Richtung Stadt Halle das nicht sorgfältige Nachdenken darüber, was ein solches Feuerwehrgerätehaus denn kosten könnte. Während des Auswahlverfahrens unter sich bewerbenden Büros hatte die jetzt planende Architektin Birgit Melisch aus Gütersloh, auf eine Politikerfrage nach eigenem Bekunden sinngemäß geantwortet: Irgendwo zwischen 500 000 und 850 000 Euro, die für ein Feuerwehrgerätehaus in Rietberg aufgebracht werden mussten, werde sich der Preis für das Gerätehaus in Künsebeck einpendeln. Dass Melisch jetzt eine umfänglich durchkalkulierte Kostenberechnung über 1,1 Millionen Euro vorstellte, provozierte viele Nachfragen.

 

Die Architektin, die für ihren Jobcenter-Bau am Berufskolleg viel Lob hörte, bekam von Fachbereichsleiter Jürgen Keil und dem Architekten bei der Stadt, Johannes Brockbals, kräftig Unterstützung. Demzufolge wurden gemeinsam mit der Feuerwehr nur die Anforderungen an ein Feuerwehrgerätehaus in Künsebeck in eine Planung umgesetzt. Dazu gehörte, dass für den neugegründeten Löschzug Künsebeck eine Zielgröße von 30 Mitgliedern gilt. 19 neue Freiwillige hat man bereits zusammen, was laut Wehrführer Wilhelm Köhne als ein außergewöhnlicher Erfolg anzusehen ist.

 

Zu den Anforderungen zählten weiterhin Stellplätze für drei Feuerwehrfahrzeuge, ein Schulungsraum sowie natürlich die Umkleiden und Sanitärbereiche (getrennt nach Männern und Frauen) sowie ein Büro und Nebenräume. Hinzu kommt ein ausreichend großer Parkplatz. Alles in allem macht die Planung einen soliden und nicht luxuriösen Eindruck. Und trotzdem stehen dort unterm Strich 1,1 Millionen.

 

Melisch und Brockbals machten deutlich, dass in den Gesamtkosten auch teure Techniken untergebracht seien, die sonst einem anderen Feuerwehretat zugeordnet würden. Auch einen notwendigen Bodenaustausch auf dem Grundstück am Ravenna-Park habe man vorher nicht ahnen können. Wenn man alle Faktoren herausrechne, die anderen Haushaltsstellen zugeordnet werden könnten, lande der Bau bei 740 000 Euro, so Brockbals. Sowohl er als auch Melisch rieten davon ab, zu diesem Zeitpunkt noch einen Projektsteuerer hinzu zu ziehen, wie es Wolfgang Bölling (SPD) vorschlug. Die Kosten, die dieser Projektsteuerer für seine Dienstleistung verursache, könne man beim Bau nicht mehr einsparen, so Brockbals. Bis zur Ratssitzung am Mittwoch soll geklärt werden, was ein solcher Kostenaufseher selber kostet.

 

Am Ende fand Dieter Baars (CDU) selbstkritische Worte: »Ich glaube, wir haben uns alle etwas vorgemacht. Und jetzt binden wir uns ein Feigenblatt um und schieben einen Projektsteuerer vor.« Wehrführer Köhne machte deutlich, dass die Zeit drängt. Denn der Löschzug brauche ein Zuhause.