kuenske-header
kuenske-header
previous arrow
next arrow

Ein Saurier des Straßenbaus

Gepostet in Allgemein von Freddy am 25. Juli 2009 Tags: , ,

cimg2605Lückenschluss der A 33 zwischen Bielefeld und Borgholzhausen rückt näher / Planungen begannen 1968 VON MATTHIAS BUNGEROTH  
Bielefeld. Mächtig steht sie da, die 30 Meter breite Betonbrücke in der flachen Grünlandschaft des Bielefelder Südens. Auch wenn nie ein Auto darüberrollen wird, ist sie eine entscheidende Voraussetzung für die Fertigstellung des ältesten Straßenbauprojekts in Ostwestfalen-Lippe: die Autobahn 33 zwischen Bielefeld und Borgholzhausen.  

„Wir haben hier die erste westfälische Grünbrücke stehen“, erläutert Jörg Nippert, Leiter der Projektgruppe A 33 beim Landesbetrieb Straßen NRW. Er koordiniert und leitet den Fortgang der Bauarbeiten vor Ort. Wildlebende Tiere wie Rehe oder auch Amphibien sollen die künftige A 33 über die bereits im Wesentlichen fertige Grünbrücke gefahrlos überqueren können. Damit soll verhindert werden, dass die Autobahn den ökologisch wertvollen Raum zerschneidet und für Tiere zu einem unüberwindbaren Hindernis wird.

 

Gleichzeitig steht die Grünbrücke stellvertretend für viele Hindernisse, die es bei der Fertigstellung des Autobahnabschnittes gab und gibt. Der Schutz wertvoller Natur- und Trinkwasserzonen sowie die Nähe zur Wohnbebauung waren immer wieder Hauptgründe, weshalb das Projekt jahrzehntelang auf Eis lag. Schon am 19. September 1968 bestimmte der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber die Trasse für den Neubau der B 68 zwischen Brackwede und Dissen, seinerzeit Ersatzbundesstraße genannt. Auf diesen Plänen beruht noch heute das A-33-Projekt, das man mit Fug und Recht als Saurier des Straßenbaus bezeichnen kann. Zwischen A2 und Ostwestfalendamm wird heftig gearbeitet Doch gut 40 Jahre und Tausende Einwendungen von Bürgern, Naturschutzverbänden und anderen Institutionen später ist der Lückenschluss näher gerückt als je zuvor. An der Trasse zwischen dem Autobahnkreuz A 2/A 33 und dem Ostwestfalendamm in Bielefeld wird heftig gearbeitet. 11 von 24 Brücken waren zu Beginn des Jahres im Bau. „Alle übrigen müssen wir in diesem Jahr anfangen“, so Nippert. Laut Planungsansatz sollen „30 Millionen Euro in diesem Jahr in dem Abschnitt ausgegeben werden“, weitere Aufträge werden vergeben.      Rund eine Million Kubikmeter Boden werden für den gesamten Streckenabschnitt bewegt, das sind rund 70.000 Lkw-Ladungen voll.

 

30.000 Kubikmeter Beton werden verbaut. Ein Konjunkturprogramm in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Wir gehen davon aus, dass der Verkehr bis Ende 2010 rollen wird“, sagt Andreas Meyer, Leiter des Landesbetriebs Straßen NRW, Niederlassung Bielefeld.Dass die Realisierung dieses Abschnitts so lange auf sich warten ließ, lag nicht zuletzt an Bedenken in der Politik. So lehnte der Rat der Stadt Bielefeld das Vorhaben mit einem Beschluss vom 11. Juni 1987 ab; der wurde am 23. März 1990 in ein positives Votum umgewandelt. Erst am 28. Juni 2000 gab es die letzte offizielle Absegnung der Trasse, die sich derzeit im Bau befindet, am 16. Juni 2007 erfolgte der erste Spatenstich.

 

Für den Bauabschnitt im Bereich Bielefeld-Steinhagen erstellten die Planer „einen der längsten Planfeststellungsbeschlüsse, die je für eine Autobahn gemacht wurden“, wie Jens Kronsbein, zuständiger Planungsdezernent bei der Bezirksregierung in Detmold, im Gespräch mit dieser Zeitung sagt.

 

Man habe in dem 620 Seiten starken Papier alle Bedenken und Einwendungen von Anliegern und Umweltschützern berücksichtigt, so Kronsbein. Ob der Entwurf Bestand hat, muss, wie berichtet, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (BVG) entscheiden. Der Verhandlungstermin ist für den 5. August anberaumt. Diesen Termin dürften Planer wie Anlieger mit Spannung erwarten, denn mit seinem Urteil „ist abschließend entschieden“, so Kronsbein.  Strittige Lienenführung Was dann noch fehlt, ist der Abschnitt im Bereich Halle/Borgholzhausen. Hier hat die Bezirksregierung das umfangreiche Anhörungsverfahren abgeschlossen. Derzeit überarbeitet der Landesbetrieb die naturschutzfachlichen Unterlagen. Die abschließende Entscheidung will Kronsbein Anfang 2010 treffen.

 

So strittig die genaue Linienführung im Einzelfall ist: Viele Anwohner dürften die Fertigstellung herbeisehnen. Denn was der Minister im Jahr 1968 noch nicht wissen konnte: Die Verkehrsbelastung der heutigen Bundesstraße 68 hat sich auf bis zu 44.000 Kraftfahrzeuge am Tag erhöht. Einem solchen Verkehr wird eine zweispurig ausgebaute Bundesstraße mit entsprechenden Ortsdurchfahrten nicht gerecht. Noch fehlen 27 Kilometer Der Lückenschluss für die Autobahn 33 zwischen Bielefeld und Borgholzhausen ist insgesamt 27 Kilometer lang. Er soll in drei Bauabschnitten realisiert werden.

 

Abschnitt 5 B (Bereich Stadt Bielefeld)
Streckenlänge: 6,5 Kilometer (plus 1,3 Kilometer Verlängerung zum Ostwestfalendamm). Baukosten: 95,4 Millionen Euro. Linienbestimmung: 23. März 1973. Planfeststellungsbeschluss: 6. März 2006. Es gab 1.900 Einwendungen. Spatenstich: 16. Juni 2007.

 

Abschnitt 6 (Bereich Bielefeld, Halle, Steinhagen)
Streckenlänge: 7,9 Kilometer. Baukosten: 90,4 Millionen Euro. Linienbestimmung: 19.

September 1968. Planfeststellungsbeschluss: 6. Juni 2007. Es gab 1.500 Einwendungen.

 

Abschnitt 7.1 (Halle, Borgholzhausen, Versmold, Steinhagen) Streckenlänge: 12,6 Kilometer. Baukosten: 135 Millionen Euro. Linienbestimmung: 19. September 1968. Zunächst 16.000 Einwendungen, die nach Umplanung nicht mehr gültig sind. Dann noch einmal 3.000 Einwendungen. (bth)  

 

 

Quelle: Text: www.nw-news.de / bth – Bild: Privat