Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 4 - September - 2017

Quelle: WESTFALEN BLATT vom Freitag

Mit der Zeit ist das so eine Sache. Karolin Kuhlmann hätte oft gerne mehr davon. Die 21-Jährige Top-Schwimmerin des SC Steinhagen-Amshausen meistert den Spagat zwischen Hochleistungssport und Beruf. Und das überaus erfolgreich – wie auch in diesen Tagen bei den Europäischen Polizeimeisterschaften in Hannover, wo sie als Höhepunkt den Titel über 50 Meter Schmetterling holt.

Erst Anfang der Woche hat die Künsebeckerin ihr duales Studium in Bielefeld mit der mündlichen Prüfung zur Bachelor-Arbeit erfolgreich abgeschlossen. »Nach dem Kolloquium bin ich sofort zurück nach Hannover gefahren«, sagt Kuhlmann. Sie ist froh, überhaupt bei den Titelkämpfen dabei gewesen zu sein, weil zeitgleich ihre Ernennung zur Polizeikommissarin anstand. Die Lösung: Die Ernennung ist statt in der Bielefelder Oetkerhalle am Beckenrand in Hannover vorgenommen worden.

Karolin Kuhlmanns Dankeschön: Sie steuert gleich sieben Medaillen zum deutschen Teamerfolg bei. Nach Silber über 50 Meter Freistil (26,35 Sek.), 50 Meter Rücken (30,37/Saisonbestleistung) und mit der 4×100 Meter Freistilstaffel folgt gestern zum Abschluss Gold über ihre Paradestrecke 50 Meter Schmettern (mit europäischem Polizeirekord von 27,52), Bronze über 100 Meter Freistil (57,27) sowie Gold mit der 4×100 Meter Lagenstaffel (als Schlussschwimmerin) und Silber mit der 4×50 Meter Freistil-Staffel (mixed).

»Da waren einige richtig gute Schwimmerinnen dabei«, ist »Karo« froh, dass sich die fünf Wochen Training für dieses Event ausgezahlt haben. In Erinnerung bleibt auch die stimmungsvolle Eröffnungsfeier: »Alle Teilnehmer haben sich mit Fahnen um das Becken gruppiert.« Ein ganz besonderer Moment ist die Siegerehrung nach dem Schmetterling-Rennen, als die deutsche Nationalhymne nur für die Hallerin gespielt wird – auch für die Eltern auf der Tribüne. »Da hatte ich Tränen in den Augen«, sagt Karos Mutter Elke.

Im Juni hat Karolin Kuhlmann bei den offenen Deutschen Meisterschaften in Berlin bereits das Kunststück geschafft, sich über 50 Meter Schmetterling und 50 Meter Freistil für das A-Finale zu qualifizieren (das WB beichtete am 22. Juni). 4000 Zuschauer haben damals im Europa-Sportpark den schnellsten Sprinterinnen Deutschlands zugejubelt. Obwohl die OWL-Rekordhalterin in beiden A-Finals Achte geworden ist, ein großartiger Erfolg. Viele ihrer Konkurrentinnen haben schließlich in größeren Vereinen mehr Trainingsmöglichkeiten und absolvieren kurz vor den Titelkämpfen auch ganz sicher keine Nachtschicht wie die angehende Polizistin. Diese hat seit dem Wechsel vor sechs Jahren zum SC Steinhagen-Amshausen, wo sie von Trainer Klaus Völcker betreut wird, ihre Leistungen stetig gesteigert. Kein Wunder, dass Karo Kuhlmann glücklich ist, ihre Erfolgsgeschichte beim SCSA mit Coach Völcker nach ihrer Ausbildung fortsetzen zu können: »Ich hätte in ganz NRW eingesetzt werden können, habe aber eine Stelle im Kreis Gütersloh bekommen.«