Veröffentlicht von Pan Am 22 - März - 2019
Bild @ Kerstin Panhorst

Die Gardinenstange muss neu aufgehängt werden oder die Glühbirne im Backofen ausgetauscht werden. Was für die meisten Menschen eine alltägliche Angelegenheit ist, stellt andere vor eine große Herausforderung. In Künsebeck gibt es immerhin Hilfe.

Senioren und Menschen mit Behinderungen können diese scheinbaren Nichtigkeiten selbst manchmal nicht ausführen und kein Handwerker kommt für diese kleinen Aufgaben vorbei. Seit 1999 gibt es deshalb die AWO-Wichtel. Das Projekt der Wohnberatungsagentur und der Ehrenamtskoordination der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Gütersloh ist ein Handwerkerdienst für Senioren und Menschen mit Behinderungen. Mehr als 50 ehrenamtliche »Wichtel« gibt es in den Kommunen des Kreises.

Der AWO-Ortsverein Künsebeck kann jetzt mit Anton Meyer seinen insgesamt sechsten Wichtel begrüßen. Der ausgebildete Mechatroniker unterstützt künftig mit seinen Kollegen Kai Demuth, Harry Benson, Paul Kessner, Manfred Nowak und Kurt Picker die Künsebecker bei kleinen handwerklichen Tätigkeiten. Der 53-Jährige engagiert sich bereits im Repair-Café in Halle und beschäftigt sich auch in seiner Freizeit gerne mit Rundfunk- und Fernsehtechnik sowie Montage- und Elektroarbeiten. »Ich habe noch freie Kapazitäten und fühlte mich vom Projekt angesprochen. Und mit 43 Jahren Reparaturerfahrung kann ich mich dort sicher gut einbringen«, erzählt Anton Meyer.

Hauptberuflich ist er beim Wertkreis Gütersloh angestellt und hat deshalb auch keine Berührungsängste mit Behinderten. »Ich nehme alle Menschen so, wie sie sind«, sagt der passionierte Heimwerker.

Profis müssen unterdessen keine Konkurrenz durch die Wichtel fürchten. »Das ist alles mit der Handwerkskammer abgesprochen. Sobald es ein Job für Handwerker ist, machen ihn die Wichtel nicht. Was wir anbieten ist eher so etwas wie Nachbarschaftshilfe«, erklärt Friederike Hegemann von der AWO-Wohnberatung.

Für den Einsatz der Wichtel wird eine Aufwandspauschale in Höhe von zehn Euro je Einsatz zuzüglich anfallender Fahrt- und Materialkosten berechnet. Diese Kosten können bei Bedürftigkeit erlassen werden. »Wir nehmen ansonsten kein Geld an und machen das ohne Bezahlung, aber zu einem Kaffee sagen wir nicht nein«, sagt Kurt Picker. Wichtel werden können übrigens auch Nicht-AWO-Mitglieder. Und die Hilfe der Wichtel können ebenfalls alle älteren und hilfebedürftigen Menschen in Anspruch nehmen. Wer in Künsebeck die Hilfe eines Wichtels benötigt, kann sich bei Kurt Picker unter Telefon 05201/70575 melden.