Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 17 - Januar - 2019

Halle-Künsebeck (WB). Der erste Anlauf für eine weitgehend touristische Nutzung und Naherholung auf der abgedeckten Mülldeponie in Künsebeck ist nicht in das Förderprogramm des Landes gekommen, stieß zudem auf massiven Widerstand von Deponieanwohnern. Der zweite Anlauf für eine nunmehr inhaltlich deutlich reduziertere Lösung hat jetzt bei einem Bürgerworkshop im Gemeindehaus Künsebeck eine klare Mehrheit der Teilnehmer bekommen.

Dass es am Ende des Workshops, zu dem die Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) eingeladen hatte, überhaupt ein positives Votum geben würde (nur eine Nein-Stimme und eine Enthaltung bei zwei Dutzend Teilnehmern), danach hatte es nach dem Diskussionsverlauf lange nicht ausgesehen. Wie schon bei der besser besuchten Bürgerversammlung im vergangenen Jahr im Landhotel Jäckel überwogen zunächst kritische Stimmen.

Kai Drees vom Vorstand der IGKB erinnerte an die Bürgerworkshops aus dem Jahr 2013 zum Thema Deponie und auch an einen einstimmigen Beschluss der Jahreshauptversammlung der IGKB, eine naturnahe Nachnutzung auf der Deponie zu ermöglichen. Drees berichtete von einem Vorgespräch des IGKB-Vorstandes mit Vertretern des Kreises Gütersloh, der Stadt Halle und des Deponiebetreibers GEG, um nach dem Scheitern des erstes Versuches nunmehr aus einem anderen Topf bis zu 100.000 Euro Fördergeld für ein Nachnutzungskonzept zu gewinnen. Die Einzelheiten und Förderbedingungen dazu stellte Mareike Buskamp vor, Regionalmanagerin bei dem erst jungen Verein »VITAL-Region GT 8« vor. Acht der 13 Kommunen im Kreis Gütersloh sind darin Mitglied sowie Gruppen und Verbände aus der Region. Dieser Verein wäre Projektträger.

Zunächst jedoch war die Debatte im Gemeindehaus von vielen Einwänden und Vorbehalten geprägt. Allgemeine Vermüllung, Fahrzeugverkehr, Lärm durch Partys und Sicherheitsbedenken wurden vor allem von Anwohnern vorgetragen, die Natur solle Ruhe finden, man solle besser gar nichts dort tun.

Friederike Hegemann vom IGKB-Vorstand zeigte Verständnis für Sorgen der Anlieger, erinnerte aber auch daran, dass viele andere Bürger Interesse an einer schonenden und naturnahen Nachnutzung des Bereiches hätten. In diesem Sinne ausgerichtet sind die nunmehr deutlich reduzierten Nutzungsvorschläge mit der Anlage von Wanderwegen, einem Ruhepunkt mit schöner Rundum-Aussicht und Liegesessel, das Angebot eines Geopfades, bei dem zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern sich an Tafeln mit QR-Codes informieren können beziehungsweise selbst durch das Bearbeiten von Steinen geologische Spuren erkunden können. Vorgeschlagen wurde außerdem ein Drehkreuz am Eingang, dass Fahrräder oder Mopeds auf dem Gelände herumfahren können. Tenor war, dass auf der Deponie insgesamt alles sehr reduziert und ruhig ablaufen soll. Auf dieser Basis soll nun unter Beteiligung der IGKB und auch Deponieanwohnern in einem Arbeitskreis ein Förderantrag erarbeitet werden.