Veröffentlicht von Haller Kreisblatt Am 15 - Mai - 2018

Quelle: Haller Kreisblatt / www.haller-kreisblatt.de / Herbert Gontek

Mehr als fünf Millionen Euro hat die Abfallgesellschaft des Kreises Gütersloh (GEG) in den vergangenen drei Jahren in die Endabdeckung des Müllberges in der ehemaligen Deponie in Halle-Künsebeck gesteckt. Doch damit ist die Gesellschaft nicht aus der gesetzlichen Nachsorgepflicht entlassen. „Wir rechnen noch mit einem Zeithorizont von bis zu 30 Jahren, ehe wir aus der Pflicht durch die Bezirksregierung entlassen werden“, sagte Geschäftsführer Rüdiger Klei dem Haller Kreisblatt .

Gegenwärtig laufen die Arbeiten aus, etwa Ende Juni soll alles abgeschlossen sein. Doch im Berg gibt es immer noch chemische Zersetzungsprozesse. Die halten zwar zum einen die Gasförderung am Laufen, produzieren zum anderen aber auch noch Abwässer, die aufwendig entsorgt werden müssen.

Kurz nach der Gebietsreform 1973 hat der Kreis Gütersloh vom Kreis Halle die Deponie im ehemaligen Kalksteinbruch übernommen. Bis zur Stilllegung Ende 2000 sind dort 1,8 Millionen Tonnen Müll abgeladen worden. Möglicherweise würde auch heute noch dort eingelagert, wenn nicht in den 90er Jahren im massiven Umfang undichte Stellen im Abschnitt I festgestellt worden wären. Trotz neuer Abdichtungsmethoden hielten die Experten Mülleinlagerungen in Kalkgesteinsformationen für unverantwortlich und ließen deshalb im benachbarten Steinbruch Müller keine Erweiterung mehr zu.

Nach der Stilllegung der Deponie wurde der Müllkörper 20 Jahre provisorisch abgedeckt. Das Eindringen von Regenwasser wurde vermieden – allerdings war schon damals klar, dass diese Maßnahmen nicht genügen würden. „Die Setzungen im Berg waren so massiv, dass eine ordentliche Entwässerung nicht möglich gewesen wäre“, erklärt Bernhard Naendrup, zuständig für die Deponiebetreuung bei der GEG, rückblickend.

Vor gut zehn Jahren wurde zunächst der Abschnitt I, in der vergangenen drei Jahren der Rest der insgesamt rund 17 Hektar großen Flächen endversiegelt. In mehreren Schichten ist eine mehr als ein Meter dicke Abdeckung aufgebracht worden, die aus einem Foliensystem, Sand und einer Oberflächenabdeckung aus Kalkstein besteht. „Im ersten Bauabschnitt haben wir noch kleinwüchsige, flachwurzelnde Gehölze darauf gepflanzt, heute überlassen wir das der Natur. Und es dauert nur wenige Woche, bis die ersten Gräser zwischen den großen Kalksteinbrocken wachsen,“, berichtet Rüdiger Klei.

Der wieder komplett abgedichtete Müllberg setzt immer noch Deponiegas frei, mit dem seit 18 Jahren in einem Blockkraftheizwerk Strom produziert wird. „Die Ursache dafür, dass der Berg wieder intensiver lebt als vor vier oder fünf Jahren, sind die erheblichen Wassereinträge bei den Bauarbeiten zur Abdeckung der Deponie“, sagt Klei. Gegenwärtig könne das Kraftwerk 100 Prozent seines Gasbedarfs für einen Betrieb rund um die Uhr aus den Emissionen der Deponie decken. Durch den Prozess entsteht darüber hinaus auch Sickerwasser, das am Fuß der Deponie in einen Sammelbehälter läuft und von dort aus in die zentrale Deponiewasseranlage des GEG nach Westerwiehe gefahren wird. „Jährlich sind das rund 300 Fahrten mit etwa 10.000 Kubikmetern“, sagt Klei und ist sicher: „Gasförderung und Sickerwasseraufkommen werden sich langsam beruhigen, weil der Berg austrocknet. Erst wenn beides gegen Null geht, werden wir allerdings aus der Nachsorge entlassen.“

Die Sanierung des Deponiegeländes bringt zudem weitere Veränderungen im Umfeld mit sich, wie Klei bestätigt: „Einige nicht mehr benötigte Gebäude dort werden abgerissen.“

Und wie geht es weiter mit dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie? „Wahrscheinlich wird es eine naturnahe Nutzung geben“, sagt der GEG-Geschäftsführer. „Es hat ja schon vor mehr als einem Jahr eine Gesprächsrunde zwischen dem Kreis, der Stadt Halle, der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger sowie Vertretern des Natur- und Geoparks Terra Vita gegeben.“

Damals sei klar geworden, dass schon wegen des nebenanliegenden aktiven Steinbruchs bestimmte Bereiche aus Sicherheitsgründen hermetisch abgeriegelt werden müssten. „Wir haben ein Planungsbüro damit beauftragt, Lösungen zu entwickeln und werden zeitnah den Dialog fortsetzen“, kündigt Rüdiger Klei an.