Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 7 - Mai - 2018

Quelle: WESTFALEN BLATT / www.westfalen-blatt.de

Von Klaudia Genuit-Thiessen H a l l e (WB). Ein rotes X in den Plänen neben dem nächsten. Kaum ein Eigentümer der Grundstücke im Bebauungsplangebiet »Künsebeck Nord« (75) mag sich mit einer behutsamen Nachverdichtung, wie die Stadt sie sich vorstellt, anfreunden. Für die Politiker im Haller Planungsausschuss ist dies eine herbe Enttäuschung. Stadtplaner Roger Loh vom Büro Tischmann Schrootenhat am Donnerstag die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung präsentiert. Und diese klangen ziemlich niederschmetternd. Kaum einer der Grundstücksbesitzer zwischen B 68 und Amshausener Weg möchte auf seinem Grund und Boden derzeit Bauland schaffen – obwohl die Stadt wegen des großen Bedarfs eigentlich »eine großartige Entwicklungssituation« für die großen Gärten sieht, wie Roger Loh sagte. Die Minigolfanlage samt Gastronomie stärken, behutsame Nachverdichtungsmöglichkeiten ohne Bauzwang schaffen, den Siedlungsrand punktuell stärken und den Bewohnern dabei Planungssicherheit zu bieten – das hat sich die Stadt eigentlich vorgestellt. Doch weil die meisten Eigentümer abgewinkt haben, können im südlichen Bereich wohl nur drei Gärten bebaut werden. Eines der Projekte läuft schon, bei zwei anderen dicht an der Bundesstraße gibt es noch Fragen, die zu klären sind. Am Amshausener Weg hätte sich der Planer auch kleine Mehrfamilienhäuser vorstellen können. Doch lediglich eine Eigentümerfamilie wünscht sich neben zwei alten Siedlungshäusern am Hang weiteres Bauland. Dort könnte jetzt sogar eine doppelte Bauzeile ausgewiesen werden, an der Schnittstelle zum Teuto auf jeden Fall klassische Einfamilienhäuser. »Es kann sein, dass sich der ein oder andere es doch noch anders überlegt«, hoffte Bauamtsleiter Jürgen Keil. Allerdings müssten dem Bau-Versprechen auch Taten folgen – notfalls müsse die Stadt Druck ausüben, damit es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Auf jeden Fall habe die Stadt jetzt schon die Konsequenzen deutlich gemacht: Wer bei der Aufstellung des neuen B-Planes kein Bauland, sondern Grünfläche ausweisen lässt, muss die planerische Änderung später wahrscheinlich aus eigener Tasche bezahlen. Jetzt würde die Stadt die Kosten tragen. »Extrem ärgerlich« empfand Ausschussvorsitzende Ulrike Sommer (SPD) es, dass eine voll erschlossene Fläche nicht bebaut werden kann. Und auch Jochen Stoppenbrink bedauerte es massiv: Er sei sprachlos. Der Ratsherr der Grünen regte an, für die kleine Parzelle, die tatsächlich bebaut werden soll, über eine gemeinsame Parkfläche unter Flur nachzudenken.