Der Boden braucht mehr Schutz :
Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 9 - Februar - 2018

Quelle: WESTFALEN BLATT / www.westfalen-blatt.de

Wo 2017 Kartoffeln, Kürbis, Rogge und Öllein gewachsen sind, wird Landwirt Hermann Künsemöller jetzt wohl Gerste anbauen. Das Projekt »Weltacker in Künsebeck « trägt dennoch Früchte: »Boden braucht Schutz und Schützer« lautet der Titel einer Veranstaltung zu einem Bodenbündnis Europäischer Städte, Kreise und Gemeinden (ELSA). Der Evangelische Kirchenkreis Halle und die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh engagieren sich weiter für mehr Bodenschutz. Und sie suchen Mitstreiter in der heimischen Politik, um realistische Wege gegen den Flächenverbrauch einzuschlagen. Für Mittwoch, 21. Februar, um 19.30 Uhr haben sie den Dipl. Geologen Detlef Gerdts zu Vortrag und Diskussion ins Gemeindehaus Künsebeck eingeladen. Der Fachbereichsleiter Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück ist Vize- Vorsitzender des Bodenbündnisses. Pfarrerin Beatrix Eulenstein: »Er wird uns berichten, wie in unserer Nachbarschaft kommunale Entscheidungen unter Berücksichtigung des Bodenschutzes bedacht und umgesetzt werden. « Mitglied beim Bündnis ELSA (European Land an Soil Alliance) sind neben europäischen Kommunen auch Stadt und Landkreis Osnabrück. Mit dem Projekt »Weltacker« haben die Bio-Landwirte Hermann und Christa Künsemöller, Gemeindepfarrer Christian Stephan, Beatrix Eulenstein als Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben und Marion Ernsting von der GNU eine breit angelegte Diskussion rund um den Bodenschutz angestoßen. Nach dem Vortrag zum behutsamen Umgang mit Bauland am Beispiel Zürich geht es jetzt einerseits um die Frage, was der Verbraucher tun kann, um verantwortungsvoll mit der Erde umzugehen. Aber es geht auch um die Landnutzung generell, Landschaftspflege und Siedlungsentwicklung. ELSA versteht sich als Netzwerk für Bodenschutz. Hermann Künsemöller: »Wir finden es schlimm, dass in Asien und Südamerika Regenwälder abgeholzt werden. Aber was uns angeht, das blenden wir aus«. Zur Erinnerung: Der 2000 Quadratmeter große »Weltacker« an der Ecke Künsebecker Weg/ Leimweg sollte anschaulich machen, wieviel Boden jedem Menschen rechnerisch nur zusteht für Lebensmittel, Kleidung und Rohstoffen für Energie und Wirtschaft. Tatsächlich sind es 700 Quadratmeter mehr – auf Kosten anderer. Beatrix Eulenstein im Hinblick auf anhaltendes Wirtschaftswachstum und intensive Bautätigkeit: »30 Prozent der Lebensmittel werden verschwendet, auch durch unseren Fleischkonsum. Es wird nicht gelingen, das Ziel der Bundesregierung von 2002 zu erreichen und den täglichen Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr bis zum Jahr 2030 auf weniger als 30 Hektar zu begrenzen.« Hermann Künsemöller: »Ich würde mich freuen, wenn auch unsere heimischen Entscheidungsträger teilnehmen.«