Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 20 - November - 2017

Quelle: WESTFALEN BLATT

Erst friemelt Laura einen fetten Regenwurm aus der Erde, dann setzt sie drei dicke Narzissenzwiebeln in das Loch, wirft Boden drüber, fünf kleine Krokuszwiebeln und noch mehr Erde. Die Achtjährige pflanzt Frühblüher als Insektenmagneten auf dem Hof Schneiker-Bekel in Ascheloh.

Die »Naturdetektive« von der Grundschule Künsebeck sind dort einen Nachmittag zu Gast, um mit eigenen Händen etwas gegen das Sterben von Hummel, Wild- und Honigbienen zu unternehmen. Ein großes Umweltproblem, aber eine kinderleichte Sache: Die Aktion auf dem Bioland-Hof am Berghagen soll ein zusätzliches Nahrungsangebot für heimische Insekten schaffen und zum Nachahmen anregen. Denn seit Monaten schon schlagen Vertreter aus Naturschutz und Imkerei Alarm. Sie beobachten, dass viele Insekten schon früh im Jahr keine Nahrung mehr finden.

Tanja Reinhardt, die an der Grundschule Künsebeck die OGS-Projekte koordiniert, hat acht Kinder mitgebracht. Unter Anleitung von Susanne Schneiker-Bekel (46) setzen sie erst einmal 250 Blumenzwiebeln an die Zufahrt zum Hof. »Wir verschönern auch den Eierschrank«, sagt die Biologin.

Mit ihrem Mann Thomas bewirtschaftet sie den Hof im Nebenerwerb. Sie halten 75 Mutterschafe aus alten Rassen und leisten damit schon seit einigen Jahren einen Beitrag, um das artenreiche Grünland zu erhalten. In diesem Jahr ist der 46-Jährige Informatiker zudem unter die Hobbyimker gegangen. Denn ohne Bienen ist die Bestäubung vieler Bäume und wichtiger Nahrungs- und Futterpflanzen nicht möglich. Darum sorgt sich Thomas Bekel darum, ob seine Honigbienen zwischen der Blüte von Salweide und Kirsche genug Nahrung finden.

Die Blütenarmut in der Landschaft ist ein großes Problem für Insekten, die Pollen und Nektar brauchen. Wildkräuter auf dem Acker werden immer seltener. Darum bemüht sich der Bio-Hof in Ascheloh auch darum, Streuobstwiesen anzulegen, Hecken, artenreiche Säume und Wiesen sowie Ackerrand- und Blühstreifen.

»Was hier so duftet, das ist die Knoblauchrauke«, ruft Susanne Schneiker-Bekel den Kindern zu, die gemeinsam mit ihren Söhnen Max (10) und Ben (6) und mit Hilfe von Schülerpraktikant Leo (13) ihre Schüppen schwingen und in der Erde buddeln. Die platte Seite der Zwiebel soll nach unten zeigen, die spitze mit dem Trieb nach oben, erklärt Susanne Schneiker-Bekel. Als alle Zwiebeln gut verstaut sind, gibt es für alle Tee und Kekse. Und dann noch einen Spaziergang zur Schafweide. »Wenn es im Frühjahr blüht, dann kommt ihr wieder«, verspricht die Bioland-Bäuerin.