Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 25 - September - 2017

Quelle: WESTFALEN BLATT/ www.westfalen-blatt.de

Ein Bild der Verschwendung: Mülltonnen können das Obst und Gemüse, für das niemand mehr Verwendung hat, kaum fassen, während ein gewaltiger Bagger brachial übers Feld pflügt. Aber: »Es geht auch anders!«

So heißt ein Vortrag mit Diskussion, zu dem der Kirchenkreis Halle und die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) für Donnerstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr ins Gemeindehaus Künsebeck einladen. Über die Entscheidung für einen behutsamen Umgang mit Ackerflächen am Beispiel Zürich spricht der österreichische Stadtplaner, Filmemacher und Publizist Dr. Reinhard Seiß – ein renommierter Fachmann.

Die Veranstaltung steht im Rahmen des Projektes »Weltacker von Künsebeck – 2000 Quadratmeter für alle«. Die Initiatoren – die Bio-Landwirte Hermann und Christa Künsemöller, der Künsebecker Gemeindepfarrer Christian Stephan, Beatrix Eulenstein als Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben und Marion Ernsting von der GNU – wollen eindrücklich darauf aufmerksam machen, dass der Flächenverbrauch zu den drängendsten Umweltproblemen in Deutschland zähle. Zu der Verschwendung und dem unachtsamen Umgang mit Lebensmitteln leisteten Privathaushalte einen erschreckend hohen Beitrag, meint Beatrix Eulenstein und verweist auf einen Verlust von etwa 30 Prozent.

Laut Pressemitteilung des Umweltbundesamtes würden hierzulande täglich 66 Hektar Fläche verbraucht. Zwar habe die Bundesregierung schon 2002 beschlossen, den Verbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen, doch schon das Etappenziel für 2015, nämlich 55 Hektar pro Tag, habe man nicht erreicht. Viel Ackerfläche werde täglich neu versiegelt.

Im Kanton Zürich sei man schon einen Schritt weiter. Dank einer Volksinitiative von 2012 werde dort für die nächsten 20 Jahre kein neues Bauland ausgewiesen, sagt sie. Noch drastischer: »Die Ausweisung wird sogar zurück genommen«, betont Marion Ernsting. Zürich lehre, dass es möglich sei zu bauen, ohne weitere Flächen zu versiegeln, beispielsweise auf Industriebrachen, unter Parkplätzen oder auf Flachbauten.

Reinhard Seiß hat in Wien Raumplanung und Raumordnung studiert und schreibt unter anderem für FAZ und Süddeutsche Zeitung und produziert Filme für Fernsehsender wie Arte, 3Sat und Phoenix. In den vergangenen Jahren hat er unter anderem Lehraufträge an der Bauhaus-Universität Weimar angenommen oder auch eine Gastprofessur an der TU Wien. Er ist Mitglied im Beirat für Baukultur des Österreichischen Bundeskanzleramtes und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung.

Das Projekt »Weltacker« endet in Künsebeck übrigens offiziell mit dem Erntedankfest. Ein Gottesdienst wird am Sonntag, 1. Oktober, um 10 Uhr auf dem Hof Künsemöller gefeiert.