Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 28 - April - 2017

Halle (WB). Kann man womöglich an der Langen Straße in Höhe Werther Straße einen Kreisverkehr bauen? Und wenn ja: Kann die Stadt dazu Fördermittel in Anspruch nehmen? Voraussetzung für Antworten auf Fragen wie diese ist bekanntlich ein integriertes Entwicklungskonzept: ein Leitbild und Ziele für die zukünftige Entwicklung Halles. Mittwochabend hatten Haller aus Vereinen und Institutionen, aus dem Einzelhandel und der Gastronomie, der Wirtschaft, den Kirchen, den Schulen und anderen Gruppen Gelegenheit, ihren Part bei der Bestandsaufnahme einzubringen.

Wie kann Halle den Spagat schaffen, Flächen zu sparen, aber gleichzeitig ein starker Wirtschafts- und Wohnstandort zu bleiben? Fläche optimal nutzen, Versorgung gut organisieren, lebendige Ortskerne fördern und den Verkehr möglichst stadtverträglich gestalten – dafür will die Stadt jetzt die Weichen stellen.

»Wir reden noch nicht über konkrete Projekte und Ideen«, sagte Stadtplaner Olaf Kasper vor gut 35 Teilnehmern des »Hearings« im Bürgerzentrum Remise. Noch gehe es um eine Bestandsaufnahme, zu der auch Vorstellungen der Haller Experten gehören, unterstrich der Leiter des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung und Städtebau beim Büro Schulten. »Ich bin sehr neugierig«, hatte zuvor schon Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann die Gäste begrüßt und auf die integrierten Entwicklungskonzepte mit konkreten Maßnahmenprogrammen für den gesamten Siedlungsbereich (Ikek) sowie für den Innenstadtbereich (Isek) hingewiesen. Das Ziel: »Die Politik will die Ergebnisse als Orientierungsrahmen verwerten«.

Stadtplaner Kasper und seine Kollegin Inga Hoffmann hatten die Ergebnisse aus Stadt- und Dorfspaziergängen zuvor vorgestellt. Zehn Kernthemen haben sie herausgearbeitet: Bei der städtebaulichen Entwicklung geht es natürlich darum, die Altstadt mit dem alten Fachwerk zu erhalten. Schließlich gilt sie als »besonderes Pfund«. Gegebenenfalls könnte die Stadt sogar Eigentümer bei der Sanierung ortsbildprägender Privathäuser unterstützen. Aber auch die Gestaltung innerstädtischer Brachflächen, die Entwicklung einer Ortsmitte in Künsebeck und Fragen wie eine Nutzung des Kirchplatzes und die Optik an den »Pforten« der Stadt spielen dabei eine Rolle. Ähnlich wichtig ist auch die soziale Infrastruktur. Ob Gemeindehaus Bokel oder Treff in Hesseln – Halle braucht nicht nur Wohnangebote für jung und alt, sondern auch Orte der Begegnung, machte Kasper deutlich.

Dem bürgerschaftlichen Engagement als Basis für ein Gemeinschaftsleben räumte er ebenfalls viel Bedeutung ein. Das breit gefächerte Bildungsangebot gelte es zu stabilisieren. Bei den Stichworten Wirtschaft, Tourismus, Handel und Versorgung sind beispielsweise die Sicherung des Altstadt-Flairs ein Ziel, aber auch mehr Unterstützung für »schnuckelige, kleine Läden«, das Fehlen eines Drogeriemarktes und gegebenenfalls mobile Verkaufswagen für die Nahversorgung in Kölkebeck oder Ascheloh. Die Stadtpark-Diskussion, aber auch die Gewässer-Entwicklung fallen beim Thema Dorfökologie und Landschaft ins Auge.