Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 8 - März - 2017

Quelle: WESTFALEN BLATT / www.westfalen-blatt.de

Am Künsebecker Bahnhof gehen die Schranken herunter: Das Restaurant Achmann’s schließt Ende Mai. Denn Gastwirt und Küchenchef Achim Ellinger (33) hat trotz intensiver Suche keinen neuen Partner gefunden.

Damit verliert Halle – wenigstens vorübergehend – ein weiteres Restaurant. »So schwierig hatte ich mir das nicht vorgestellt«, macht Achim Ellinger, der seit wenigen Wochen erst Küchenmeister ist, keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. In Fachzeitschriften der Gastro-Branche hat er ebenso gesucht wie über die Industrie- und Handelskammer und übers Internet. »Es ist sowieso sehr schwer, Personal zu finden. Da hat offensichtlich keiner mehr Lust drauf«, meint der junge Gastronom.

Acht Monate hat er allein überbrückt in dem Restaurant, das bis zu 40 Gästen Platz bietet sowie im Sommer weiteren 35 im Biergarten. Mitgearbeitet haben in dieser Zeit seine Freundin Anna Schubert (27) und sein Bruder Martin. Beide sind in die Bresche gesprungen, als Not am Mann war und müssen jetzt an die eigene berufliche Zukunft denken: bei Anna Schubert ist es das Studium, beim Bruder eine Vollzeitstelle. »Martin hatte in unserer Heimatstadt Würzburg eine Teilzeitstelle und war von Donnerstag bis Sonntag hier«. 340 Kilometer ein Weg – da war klar, dass »dieses Arrangement endlich war«.

Schwierig ist die Lage im ehemaligen Künsebecker Bahnhof auch, weil der Gaststätte eigentlich ein weiterer Raum fehlt. Ellinger: »Mit einem Saal für kleine Gruppen wäre dann auch mehr Personal gerechtfertigt gewesen.« Auch deshalb seien Interessenten schon wieder abgesprungen.

Der junge Koch hat vor fast fünf Jahren nicht gewusst, dass der Ruf der früheren Bahnhofsgaststätte »durch die TV-Show (Rach, der Restauranttester) angekratzt war«. Doch mit einer Karte mit wechselndem kleinen Angebot und frischen, regionalen Zutaten und gutem Service hat sich das Achmann’s nicht nur einen guten Namen gemacht, sondern auch Stammgäste aus der ganzen Umgebung gewonnen. Auch die Veränderungen, die der »Lebensbaum« als neuer Vermieter ermöglichte, kamen dem Betrieb zugute. »Ich glaube, die Küche hat noch nie so viel erlebt wie in den letzten fünf Jahren«, sagt Achim Ellinger, der nach der Lehre in einem Würzburger Hotel und einigen Wanderjahren sein »Herzblut« in den Betrieb gepumpt hat.

Wohin es ihn beruflich treiben wird, das weiß er noch nicht. Ellinger: »Um Künsebeck und die vielen Gäste, die fast fünf Jahre Hand in Hand mit uns gegangen sind, tut es mir leid. Ich danke ihnen«. Wer im »Achmann’s« für ein Familienfest oder eine Konfirmation gebucht hat, muss sich nicht sorgen. »Die Termine, die wir noch bis Ende Mai angenommen haben, halten wir natürlich.«