Veröffentlicht von Haller Kreisblatt Am 15 - Januar - 2015

keilQuelle: Haller Kreiblatt

„Wir sind im Moment blank“, sagt Halles Bauamtsleiter Jürgen Keil. Er meint damit keineswegs die finanzielle Situation der Stadt. Die Aussage zielt vielmehr auf die zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen. Man sei optimistisch, dass die Bezirksregierung die Erweiterung des Ravenna-Parks um die 7,75 Hektar im südöstlich gelegenen Dreieck zwischen Entlastungsstraße und A 33 genehmigen wird. Gleichzeitig aber bestehe die Notwendigkeit, sich darüber hinaus Gedanken zu machen. „Die Erfahrungen mit dem Ravenna-Park haben gezeigt, dass es einen Bedarf heimischer Unternehmen an Gewerbeflächen gibt. Diesen Bedarf für Erweiterungen wollen wir mindestens decken“, sagt Keil und ergänzt: „Auch über diesen Bedarf hinaus müssen wir uns Gedanken machen.“ Das sei jedoch letztlich eine politische Entscheidung, betont Halles Bauamtsleiter und fügt hinzu: „Wir müssen uns als Stadt im Zuge der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans positionieren und wollen bis zur Sommerpause mit Hilfe des Planungsbüros Tischmann/ Schrooten ein strategisches Konzept erarbeiten.“ Keil ist sich bewusst, dass die Entscheidung über zusätzliche Gewerbeflächen „ein Spagat zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Notwendigkeiten“ sein wird. „Aber irgendwo müssen die Euros schließlich verdient werden, mit denen man ökologisch Gutes tun kann“, so Keil. Wo aber verfügt die Stadt Halle noch über Flächen für ein potenzielles Gewerbegebiet? „Die A 33-Trasse war für uns stets eine Zäsur“, erklärt Keil. Das bedeutet, dass nur Gebiete zwischen Trasse und Bundesstraße 68 für Gewerbe in Frage kämen. Zwei Varianten, die im Vorfeld der Entscheidung für den Ravenna-Park geprüft wurden, rücken damit erneut in das Blickfeld: „Das Gebiet am Künsebecker Weg gegenüber dem heutigen Gewerbegebiet Hegelstraße und die Fläche zwischen Tatenhausener Straße und A 33“, erklärt Keil. Letztere Variante habe den Vorteil, dass sich hier auch Industrie ansiedeln könne, während am Künsebecker Weg aufgrund der dort vorhandenen Streubesiedlung lediglich ein reines Gewerbegebiet denkbar sei. Zukunftsperspektiven, über die die politisch Verantwortlichen schon bald diskutieren werden. „Im Moment kann ich keine Gewerbegrundstücke anbieten“, betont Keil erneut. Demnächst könnten in Künsebeck etwa die drei Hektar zwischen dem Koyo-Areal und der B 68, welche die Stadt bereits erworben hat, erschlossen werden. „Ich bin optimistisch, dass es politisch eine Mehrheit für zusätzliche Gewerbeflächen geben wird. Die Frage ist nur, in welchem Umfang die Erweiterung beschlossen wird“, so Keil. Skeptisch beurteilt Jochen Stoppenbrink, Fraktionsvorsitzender der Haller Grünen die Idee zusätzlicher Gewerbeflächen. „Wir haben uns so positioniert, dass wir die Projekte, die wir in der vergangenen Legislaturperiode mitgetragen haben, auch weiterhin mittragen werden. Darunter fällt die Erweiterung des Ravenna- Parks. Doch darüber hinaus muss es eine Grenze geben. Es ist auch mal gut mit dem Flächenverbrauch“, erklärt er. Zurzeit sei für ihn ein weiteres Gewerbegebiet nur schwer vorstellbar. Ganz ausschließen aber möchte Stoppenbrink es nicht: „Doch um das zu beurteilen, müssen wir erst einmal Zahlen sehen. Dabei gilt es, Fragen zu klären. Wie groß ist der Bedarf der heimischen Gewerbetreibenden tatsächlich? Gibt es alte Flächen, die genutzt werden können? Und wo sind kreisweit bessere Lösungen?“ Ulrike Sommer (SPD) will Grundsätzliches geklärt wissen: „Wir müssen uns wirklich die Frage stellen, was wir uns an Flächenverbrauch noch leisten können und wollen. Das ist eine politische Entscheidung. Und es gibt hier sicher ganz unterschiedliche Meinungen. Auch in unserer Fraktion“, sagt die Haller SPD-Vorsitzende. Klar ist für sie, dass der ländliche Charakter, den Halle durch die Autobahn schon zum Teil eingebüßt habe, erhalten bleiben müsse. „In dieser Frage bin ich ganz nah bei den Grünen“, erklärt Sommer.