Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 27 - September - 2014

pappQuelle: WESTFALEN BLATT

Kutscherlampen hängen an den Wänden, Wagenräder von der Decke. Dazu die rustikale Theke aus Eichenholz? Das war einmal. Der Staub der Jahrzehnte wurde ausgekehrt im Pappelkrug in Künsebeck. Zwei junge Unternehmer wollen der alten Dorfkneipe zum zweiten Frühling verhelfen. Am 2. Oktober ist Neueröffnung.

 

Von TiloSommer

 

Bis dahin sind die Handwerker am Werk. Draußen wird das Gefühl von »Baustelle« danach nicht einfach verschwinden; schließlich entsteht direkt hinterm Haus die Autobahn. Doch das kann Jörg und Diana Haskenhoff im Elan für ihr Projekt »Zukunft« nicht bremsen. Die Tische im Saal sind bereits eingedeckt. Die Lichtelemente in der weißen Decke wechseln auf Knopfdruck die Farbe. Der Eingang ist jetzt eine gläserne Flügeltür. Neben dem Backsteingemäuer bildet das Anthrazit der Wänden einen Kontrast. »Allein in diesem Raum haben wir insgesamt drei Wochen umgebaut«, erklärt Jörg Haskenhoff.

 

Bereits 2006 hat der 33-Jährige den Landgasthof von seinen Eltern übernommen. Frühschoppen am Sonntag, das Herrengedeck – für den jungen Koch »eine typische Dorfkneipe«. Doch mit den Jahren ließ das Thekengeschäft nach. »Wir möchten zeigen, dass wir die jüngere Generation sind. Es soll neu, wertig und schön, aber nicht zu modern werden«, beschreibt Diana Haskenhoff die Idee.

 

Erster Schritt: Die Räume müssen heller werden. Im Gastraum fliegt der graue PVC-Boden heraus, auch die dunkle Theke und die altmodische Holzverkleidung an den Wänden wird abgerissen. Klassische Elemente wie die Backsteinsäulen oder die Holzdecke im großen Saal werden überarbeitet und bleiben erhalten. »Der Hof ist von 1870. Da stecken viele Geschichten drin. Das soll natürlich erhalten werden«, sagt Jörg Haskenhoff. Die Rückmeldungen von Familie, Freunden, Nachbarn oder Gästen seien bereits positiv gewesen. »Gerade die Älteren sind dankbar gewesen, dass wir die Brücke zwischen alt und neu geschlagen haben«, meint Diana Haskenhoff.

 

Der neue Pappelkrug wird im Kern aus drei Elementen bestehen – dem Saal, einem Restaurant und einem Bistro-Bereich. »Der große Saal wird dann in erster Linie für Veranstaltungen genutzt; Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern. Das Restaurant ist klassisch eingerichtet und das soll auch so erhalten bleiben. Wer am Sonntag hier Ente mit Rotkohl und Klößen essen möchte, kann das auch weiterhin tun«, berichtet die 29-jährige Gastwirtin.

 

Als einen Treffpunkt für jedermann stellt sich das Paar den neuen Bistro-Bereich mit gebürsteten Eichenholztischen, Sitzecken, einer Deckenlampe aus Geweihen und einem Effektfeuer an der Wand. Neben Curry-Wurst am Spieß soll es auch Hamburger und eine Brotzeit-Platte geben. Falls nach Feierabend oder nach dem Training beim Treff mit Freunden doch der kleine Hunger kommt.

 

Die westfälische Küche soll sich weiterhin durch regionale Produkte auszeichnen. Die Kartoffeln kommen so aus Hörste, die Eier aus Sandforth. »Wir möchten aber auch Kultur und Kleinkunst in den Pappelkrug holen«, sagt Jörg Haskenhoff und plant schon weiter: Nächstes Jahr im Herbst soll ein neues Gästehaus mit neun Zimmern öffnen. Doch jetzt wird erst einmal der Umbau gefeiert, und zwar am Donnerstag, 2. Oktober, um 19 Uhr mit der Band »Sixx Strings«. Der Eintritt ist frei.