Veröffentlicht von Haller Kreisblatt Am 14 - November - 2013

mueller2Im Streit um die geplante Erweiterung des Kalkwerks Müller bahnt sich ein Kompromiss an. Der Kreis Gütersloh und die Bezirksregierung hatten im Dezember 2012 erhebliche naturschutzrechtliche Bedenken gegen den ursprünglichen Antrag geäußert, die Abbaufläche um knapp 4,6 Hektar auf über 21 Hektar zu erweitern. Im Juni hatte das Unternehmen daher einen in der Fläche verminderten sogenannten Hilfsantrag formuliert und ihn zur Prüfung der unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Gütersloh vorgelegt. Diese signalisierte jetzt, der abgespeckten Version ihre Zustimmung geben zu wollen. Im neuen Plan verzichtet das Kalkwerk bei der Erweiterung auf einen etwa 30 Meter breiten und ungefähr 250 Meter langen Streifen (siehe die schraffierte Fläche in der nebenstehenden Karte) im FFH-Gebiet am Hellberg. Diesen Bereich ordnet die Bezirksregierung aufgrund des Waldmeister- Buchenwalds als besonders schützenswert ein und hatte dem ursprünglichen Abbauplänen des Unternehmens deshalb eine Absage erteilt. Mit der Herausnahme dieser Fläche von etwa 0,85 Hektar wird im neuen Plan nur noch 1000 Quadratmeter FFH-Gebiet vom Abbau tangiert. „Das liegt unter der Schwelle von 2500 Quadratmetern, die bei Gerichtsurteilen als Erheblichkeits-Grenze gesehen wird“, erklärte Wilhelm Gröver, Abteilungsleiter im Fachbereich Bauen und Umwelt beim Kreis Gütersloh und fügte hinzu: „Bezirksregierung und Kreis haben gesagt, wenn man die Bereiche am Hellberg herausnimmt, könne man sich eine Erweiterung vorstellen. Das ist in dem neuen Plan geschehen.“ „Es war ein harmonisches Gespräch und wir haben eine für uns und den Kreis akzeptable Lösung gefunden“, erklärte Geschäftsführer Henrik Müller. Mit der Reduzierung der Erweiterungsfläche verringert sich das Abbauvolumen für den Betrieb um gut 25 Prozent. Statt der geplanten 750 Kubikmeter Festgestein wird das Unternehmen im neuen Gebiet jetzt nur noch 550 Kubikmeter abbauen. „Wir sind froh, eine Lösung gefunden zu haben. Sie gibt uns Planungssicherheit, um weitere Investitionen im Zuge der Produktveredlung tätigen zu können“, erklärte der zweite Geschäftsführer Thies Knoll. Wie Henrik Müller ist er nun optimistisch, dass auch die Bezirksregierung dem abgespeckten Erweiterungsvorhaben zustimmen wird. Formell soll der Vertrag bis Ende des Jahres bei den Behörden eingereicht werden. Unter anderem muss auch die Stadt Halle ihr gemeindliches Einvernehmen erteilen. Im September 2012 hatte der Umweltausschuss der Stadt diese Entscheidung aufgrund der unklaren Sachlage vertagt. Sollten alle beteiligten Stellen dem neuen Plan zustimmen, rechnet Müller dennoch nicht mit einem positiven Bescheid vor Mitte nächsten Jahres. Auch wenn durch die neue Variante 8500 Quadratmeter FFH-Fläche verschont bleiben, bringt die Ausdehnung des Abbaugebietes einen nicht unerheblichen Einschnitt in die Landschaft mit sich. Anwohner kritisieren vor allem die Ausweitung über die Bergkuppe in Richtung Ascheloher Weg. Durch die Einschnitte in den Berg könnten sich ihnen – ihrer Befürchtung nach – zukünftig tiefe Einblicke in den Steinbruch hinein eröffnen. Mit einem Waldriegel vor dem Einschnitt soll das nach den Plänen des Unternehmens verhindert werden. Wenn dann in zehn bis 15 Jahren mit dem Abbau in diesem Bereich begonnen werde, sei der Baumbestand so hoch, dass er die Einblicke in den Steinbruch verhindere, so Henrik Müller. Die Erweiterung des Steinbruchs sichert dem Unternehmen den Bestand für weitere 15 Jahre. Etwa 2035 ist die komplette Einstellung des Abbaus am Standort beabsichtigt.