Veröffentlicht von Westfalen Blatt Am 2 - November - 2013

muelldeponieQuelle: GEG und WESTFALEN BLATT

Nur das Summen wilder Bienen oder brummender Freizeitspaß? Noch sind alle Optionen offen bei der Gestaltung und Nutzung der ehemaligen Kreismülldeponie in Künsebeck. Stadt und Bürger haben im Rahmen zweier Workshops auch ihre Vorschläge eingebracht.

Schon vor 15 Jahren ist der Deponieabschnitt I, wo ursprünglich die Stadt Halle ihren Abfall eingelagert hat, abgedeckt und später renaturiert worden. Hier sprießen inzwischen einheimische Sträucher und ein Kalktrockenrasen, die zur Heimat zahlreicher Wildbienenarten geworden sind. »Den nächsten Abschnitt könnte man genauso rekultivieren«, erläuterte am Donnerstag Rüdiger Klei, Geschäftsführer der kreiseigenen Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen (GEG). Man sei aber zu dem Schluss gekommen, die Stadt Halle und die Künsebecker Bürger zu beteiligen, um Möglichkeiten einer späteren Nutzung auszuloten.

Bei zwei Workshops im Landhotel Jäckel, moderiert vom Planungsbüro DTP aus Essen, sind nahezu alle möglichen Nutzungsarten auf den Tisch gekommen, wie Rüdiger Klei im Gespräch mit dem WB zusammenfasste. Einfach begrünen wie den Abschnitt I, Spazierwege für ruhige Erholung oder sogar Mountain-Bike-Strecken oder eine Seilbahn. Auch gelegentliche Veranstaltungen könnten dort oben stattfinden. Rüdiger Klei möchte vor allem die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, den »herrlichen Ausblick in die Landschaft« zu genießen. Die Anlieger an der Kalkstraße haben aber angesichts der Belastung der vergangenen Jahre schon die Bitte nach einer möglichst ruhigen Folgenutzung geäußert. In alle Überlegungen einfließen könnte auch die teilweise Nutzung der ehemaligen Deponie für Photovoltaik-Anlagen. Ob das aber angesichts der Staubentwicklung aus dem benachbarten Steinbruch möglich ist, müssen jetzt die Landschaftsplaner prüfen – zusammen mit allen anderen Vorschlägen.

 

Möglicherweise gibt es dann zur Vorstellung der Planentwürfe noch einmal einen öffentlichen Termin mit Anliegern, der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger und der Stadt Halle. Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann meinte abschließend: »Es wäre schade, wenn die schönen Ideen in der Schublade landen.« Gemeinsam mit der GEG will die Stadt die Ideen weiter konkretisieren und auf ihre Machbarkeit prüfen – auch auf die finanzielle.

 

Kunststoff und Schotter

 

Zeit genug bleibt noch, denn der GEG-Geschäftsführer rechnet mit mindestens zwei Jahren, die Ausschreibung und Durchführung der von der Bezirksregierung bereits genehmigten Rekultivierung dauern werden. Ob die jetzige, auch weithin sichtbare schwarze Folie liegen bleiben kann, ist noch offen, auf diese obere Schicht kommt jedenfalls noch eine 1,50 bis zwei Meter starke Abdichtung mit Drainagen, Kunststoffbahnen, Boden und Kalkschotter. Außerdem, so Klei, muss die Planung so angelegt sein, dass schon geschehene und künftige Setzungen ausgeglichen werden. Das Oberflächenwasser müsse immer abfließen können. »Wir wollen hier keine Blänken entstehen lassen.«

 

Das hat auch seinen Grund in der Deponie-Geschichte. In den 80er Jahren sickerte nämlich Wasser aus dem Deponiekörper ins Grundwasser. Noch heute sind rund um den Müllberg Auffang- und Überwachungsbrunnen aktiv. »Die Werte sind schon deutlich besser geworden und werden sich als Folge der Abdichtung auch weiter verbessern«, sagt Rüdiger Klei. Dennoch werden die regelmäßigen Transporte von Sickerwasser zur Kläranlage wohl noch einige Jahre andauern.